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Schulschluss im Jesuitenkolleg 1634

"Mariä Geburt - fliegen die Schwalben und die Studenten furt! Schulschluss im Jesuitenkolleg, festlichstes Ereignis des Jahres. Schon am frühen Vormittag helles, jubilierendes Glockengeläut. Dankmesse, Tedeum, Orgelgebraus. Kirche und Kolleg in Girlandenschmuck. Kutschen, Kaleschen, herbeiströmende Gäste, gaffendes Volk. Im Festsaal klingende Geigen, Chorgesänge, die Preisverteilung. Dann, gleich nach Mittag, des Tages Höhepunkt: die Aufführung der biblischen Tragödie Absalonias.

Im großen Theologiesaal, der durch bauschige Vorhänge fast völlig abgedunkelt war, saß nun alles da und lauschte in staunendem Entrücktsein der feierlichen Musik und den klangvollen lateinischen Versen des Festspiels, das die Studiosi der zwei oberen Klassen mit viel Feuer und Pathos und wohleinstudierter Gebärdensprache auf der Bühne agierten. Des pietät- und gottlosen Empörers Absalon verruchtes Leben und schauerliches Sterben, enthüllend und offenbar machend Gottes ewige Gerechtigkeit - so hieß es in der gemeinverständlichen deutschen Zusammenfassung auf den gedruckten Programmblättern. Aber, ob lateinisch oder deutsch - der Augen- und Ohrenweide gab es genug.

Zuckte ein Blitz, oder huschte ein himmlischer Glorienschein über die Bühne, so lief ein Funkeln von Gold und Silber, ein irisierendes Schimmern von Brokat und bunter Seide, von weißen Spitzen und Halskrausen über die vorderen Reihen. Da saß alles, was in der Stadt Rang und Geltung hatte, Gouverneuer Emden mit Gemahlin, der Abt von Neumünster, der Festungskommandant mit seinem Stab, Damen und Herren vom Adel, Provinzialräte, Ratsherren und Advokaten. Die Klerisei in schwarzer Tracht oder in Mönchskutten, Kanoniker, Pfarrherren und Alumnen. Dahinter, den übrigen Raum ausfüllend, auf Bänken zusammengepfercht, Bürgersleute sowie Eltern, die aus Stadt und Land zur Preisverteilung gekommen waren.

Es war, als schwebten, aufflügelnd aus dem Pathos der Verse, aus dem Prunk der Musik und der Bühnenbilder, alle Geister irdischen Glücksverlangens und irdischen Wahns durch den dämmerigen Raum, der sich geheimnisvoll zwischen Himmel und Erde zu wiegen schien, und als tauchten die nackten pausbäckigen Putten an der Decke wirklich und leibhaftig aus himmlischen Höhen hernieder, um den Sieg göttlicher Gerechtigkeit zu verkünden...

Noch einmal rangen jetzt auf der Bühne in hartem Wortgefecht die Superbia und die Pietas um die Seele des trotzigen Empörers. Aus geheimnisvoller Tiefe quirlte betörende Musik der Geigen und Flöten, verhallende Warnrufe guter Geister klangen von oben, dann ein greller Paukenschlag - die Entscheidung war gefallen. Jäh sich emporreckend, die Züge hassverzerrt, den Speer in verkrampfter Faust gegen den Himmel erhoben, schwur der verblendete Königssohn dem Vater Rache. Er stürmte hinaus.

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Texte: Jos Groben